chronik

Die ersten Jahre

„Gott zur Ehr`, dem Nächsten zur Wehr!“, das war der Leitspruch, der im Jahre 1921 vierzig Männer der Gemeinde Hartenfels dazu bewegte, die Freiwillige Feuerwehr Hartenfels zu gründen. Unter schweren Bedingungen und mit unzureichender Ausrüstung bestritten die Männer um Kommandanten Johann Wirges ihre Einsätze.

1937 wurde die Wehr besser ausgerüstet. So löste eine DKW-Motorspritze, die bis zu diesem Zeitpunkt verwendete Handdruckspritze ab. Neben einigen weiteren Ausrüstungsgegenständen ersetzte neues Schlauchmaterial die wenigen, alten Hanfschläuche.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Mannschaft stark dezimiert, sodass sie aus der schulentlassenen Jugend ergänzt werden musste. Unter schwierigen Umständen wie Bombenabwurf und Tieffliegerbeschuss musste die Wehr verschiedene Brände bekämpfen. 1945 löste sich die Feuerwehr, bedingt durch die politischen Umstände, vorübergehend auf, wurde jedoch schon 1946, auf Befehl der französischen Militärregierung, wieder aufgebaut. Anfangs durfte sie nicht mehr als 4 Mann stark sein, später wurde die Mannschaftsstärke auf 11 Personen erhöht.



Die Nachkriegszeit

Nach dem Krieg und der Zeit unter den Besatzungsmächten erfolgte ein Neubeginn aus eigener Kraft. Im Jahr 1948 wurde Josef Wirges zum Wehrführer ernannt; er und Paul Morgenschweis besuchten 1951 die Landesfeuerwehrschule in Kirchheim-Bolanden.

In den fünfziger Jahren wurde die durch den Krieg weitestgehend beschädigte und unvollständige Ausrüstung fast komplett erneuert. 1955 erhielt die Wehr eine Tragkraftspritze TS8/8 mit VW-Motor. Diese Spritze war äußerst zuverlässig und wurde erst im Jahre 1992 -völlig intakt - aus Altersgründen ausgesondert.

Bereits 1956 wählte man einen Vereinsvorstand und Ewald Preußer zum 1. Vorsitzenden. Groß war die Freude, als im Folgejahr das neue Gemeindehaus fertiggestellt wurde und die Feuerwehr in diesem großen Gebäude ein vorbildlich eingerichtetes Gerätehaus mit neuer Sirene und einem Trockenturm erhielt. Ein langjährig gehegter Wunsch wurde 1961 verwirklicht, als der Wehr ihr 1. Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF), ein Ford Transit, durch die Ortsgemeinde übergeben wurde. 1966 folge ein Schlauchanhänger.


Nach 22 Jahren trat Josef Wirges im Jahre 1970 als Wehrführer zurück. Durch sein starkes persönliches Engagement, seine Verbundenheit und Leidenschaft zur Feuerwehr hatte er es in der schwierigen Nachkriegszeit verstanden die Wehr aufzubauen und zu dem erreichten Stand zu führen. Josef Wirges wurde zum Ehrenwehrführer ernannt, Karl Heinz Ritz wurde neuer Wehrführer.


Die Siebziger bis Neunziger Jahre

1971 wurde das 1. große Feuerwehrfest in Hartenfels zum 50-jährigen Bestehen der Wehr gefeiert. Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung im Festzelt war der Festzug, an dem insgesamt 60 Feuerwehren beteiligt waren.
Karl-Heinz Ritz wurde 1975 zum Wehrleiter der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Selters ernannt und durfte seine Wehrführertätigkeit in Hartenfels nicht mehr ausüben. Sein Nachfolger wurde Edgar Weber.

Im gleichen Jahr erhielt die Wehr ein neues, größeres Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) der Marke Ford. Nach 20-jähriger verdienstvoller Tätigkeit als 1. Vorsitzender trat Ewald Preußer 1976 zurück. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Hubert Jung wurde zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Nach nur dreijähriger Tätigkeit übernahm jedoch Egon Dickopf dieses Amt und führt den Verein als 1. Vorsitzender bis zum heutigen Tag. Ebenfalls in 1979 wurde Edgar Wirges als neuer Wehrführer ernannt.

Die Aufgaben der Feuerwehr änderten sich im Laufe der Zeit. Nicht mehr nur das Löschen von Bränden stand im Vordergrund, sondern auch technische Hilfeleistungen und die Abwehr von Umweltgefahren. Demzufolge wurde die Ausbildung verändert und verbessert.

Im Vereinsbereich war die Ausrichtung verschiedener Kirmesveranstaltungen in den Jahren 1980 bis 1992 ein Schwerpunkt. Mit Hilfe der erzielten Erlöse wurden verschiedene Anschaffungen an feuerwehrtechnischem Gerät mitfinanziert. Hierzu zählten unter anderem Spinde, Schränke, Schlauchhaspeln, Funkmeldeempfänger, Atemschutzgeräte, Handsprechfunkgeräte und Uniformen. Ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) der Marke Mercedes erhielt die Wehr 1985, dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Ortsgemeinde Hartenfels. Der bislang letzte Wehrführerwechsel erfolgte dann 1992. Edgar Wirges trat zurück, zu seinem Nachfolger wurde Klaus Strüder gewählt und ernannt.

Seit den Achtziger Jahren stieg die Anzahl der Einsätze stetig an und die Kameraden der Feuerwehr waren immer wieder gefordert ihre Zuverlässigkeit und ihr Können unter Beweis zu stellen. Blitzschnell erfolgte Löscheinsätze in den Schreinereien Wirges und Braun verhinderten große Schäden und mögliche Großfeuer.

Zwei besondere Ereignisse prägten das Jahr 1995. Zum Einen konnten sich die Hartenfelser Feuerwehrkameraden bei den erstmals von der VG Selters organisierten Zirkeleinsatzübungen gegen alle anderen Wehren der VG durchsetzen und den Sieg erringen. Zum Anderen wurde ein wichtiger Grundstein für die Zukunft der Feuerwehr gelegt: Am 17. September 1995 wurde eine Jugendfeuerwehr mit 30 Mitgliedern gegründet.

Aktive Feuerwehr 1996
Aktive Feuerwehr 1996

Das Feuerwehrfest zum 75-jährigen Jubiläums wartete mit einem unvergesslichen Festkommers mit Großem Zapfenstreich und einem großen Festzug durch unser toll geschmücktes und mit neuen Fahnen geflaggtes Dorf auf. Auch wurde 1996 ein Mannschafts-Transport-Wagen (MTW) angeschafft und mit den Planungen für ein neues Gerätehaus begonnen. Im Wettstreit der Feuerwehren der VG Selters, bei dem das Feuerwehr-Leistungsabzeichen in Bronze erworben wurde, erhielten die Hartenfelser Kameraden 1997 als schnellste Feuerwehr erneut einen Funkmeldeempfänger als 1. Preis.

1998 folgte der Bau eines neuen Vereinshauses mit integriertem Feuerwehrgerätehaus, welches neben zwei Stellplätzen für Einsatzfahrzeuge, einem Büro und einem Mannschaftsraum viel zusätzlichen Platz bietet. Unterstützt wurde das Bauvorhaben von der Ortsgemeinde und vielen ortsansässigen Unternehmen - allen voran der Firma HUF-HAUS. So entstand ein bemerkenswertes Gebäude in der bekannten HUF-HAUS-Architektur aus Holz und Glas. Die Feuerwehrmitglieder selbst engagierten sich jedoch auch stark und investierten insgesamt über 5000 Stunden bei der Produktion im Herstellerwerk HUF, beim Kellerbau sowie den Innenausbauarbeiten.

Zwischen der Hartenfelser Feuerwehr und der Firma HUF-HAUS besteht ohnehin eine außergewöhnliche Verbindung. Beste Beispiele für diese starke Partnerschaft sind die Betriebslöschgruppe und die immer wieder stattfindenden Übungen auf dem Betriebsgelände. Das Verständnis für die Erforderlichkeit des Brandschutzes und der Brandbekämpfung seitens des Unternehmens ist sehr groß. So wurde HUF-HAUS als 1. Unternehmen im Westerwaldkreis als Partner der Feuerwehr vom Kreisfeuerwehrverband ausgezeichnet, da die entsprechenden Richtlinien allesamt mehr als erfüllt wurden.

Der MTW wurde 1998 durch ein größeres Fahrzeug vom Typ Mercedes 508 als Mehrzweck-Fahrzeug (MZF) ersetzt. Das neue Fahrzeug konnte problemlos alle Geräte für technische Einsätze wie Stromaggregat, Nasssauger, Hochdruckreiniger, Insektenschutzbekleidung, Motorsäge, Tauchpumpe, Notarztkoffer, Beleuchtungsgeräte, Waldbrandpatschen, Sicherheitskleidung, Ölbindemittel, Absperreinrichtungen usw. aufnehmen.


Das neue Jahrtausend

Mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Firma HUF-HAUS konnte im Jahre 2000 ein Magirus Löschgruppenfahrzeug (LF) mit Vorbaupumpe erworben werden. Das Fahrzeug mit Wassertank und moderner Hochdruckeinrichtung war praktisch ein Tanklöschfahrzeug und als solches unabhängig von Wasserentnahmestellen. Das erst 1998 angeschaffte Mehrzweckfahrzeug wurde verkauft, da alle technischen Geräte problemlos im dem neue Löschgruppenfahrzeug untergebracht wurden.

Im Juli 2005 wurde das 10-jährige Gründungsfest der Jugendfeuerwehr Hartenfels im großen Festzelt auf dem Dorfplatz in der Mitte von Hartenfels begeistert gefeiert. Unser Kamerad Hans Strüder wurde als erster für die aktive Tätigkeit bis zum 60. Lebensjahr mit der Silbernen Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes ausgezeichnet. Im darauffolgenden Jahr übernahm die Feuerwehr den Thekendienst bei der Einweihung der Windkraftanlagen auf dem „Harbelser Kopp“.

In Hartenfels wird die Kameradschaftspflege groß geschrieben. Jährlich findet ein gut besuchter Familienwandertag sowie ein Aktivenwandertag statt. Tages- und Mehrtagesfahrten wechseln sich in der Regel von Jahr zu Jahr ab. So wurden bereits Metropolen in halb Europa besucht. Hierzu gehören Hamburg, München, Berlin, Paris, Wien und Prag. Dies zahlt sich aus: Im Jahre 2006 zählte die Wehr 32 aktive Feuerwehrkameraden sowie 12 Jugendliche in der Jugendfeuerwehr.

2009 wurde der Förderverein der Jugendfeuerwehr gegründet. Dieser soll mithelfen die erfolgreiche Jugendwerbung und –arbeit auch für die Zukunft zu sichern.

Im WM-Jahr 2010 wurde zusammen mit der Burg-Kapelle die Kirmes ausgerichtet. Aufgrund der guten Resonanz der Mitbürger auf die Fussball-Übertragung während der Kirmestage blieb das Zelt kurzerhand noch ein paar Tage länger stehen, sodass die Spiele bis hin zum Finale zum gemeinsamen Erlebnis wurden.

Im Folgejahr wurden neben einer hochwertigen Wärmebildkamera und einem Nasssauger eine Vielzahl weiterer Ausrüstungsgegenstände angeschafft. Im Juli fand das Feuerwehrfest zum 90-jährigen Bestehen zusammen mit dem Kirchweihfest statt. Im September gleichen Jahres wurde der Grundstein zur Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges gelegt. Ein trauriger Tag war der 20.09.2011 als der Freund und Gönner der FFw Hartenfels, Herr Thomas Huf, nach langer Krankheit verstarb.


Neue Technik, neue Tätigkeit

Bei bestem Wetter konnte im Mai 2012 das neu angeschaffte Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug - kurz HLF 20/16 - der Marke IVECO mit einem Magirus Aufbau eingeweiht werden. Möglich wurde diese Anschaffung nur durch die unglaubliche Unterstützung und Spendenbereitschaft der Unternehmer aus Hartenfels und der Umgebung. Den Löwenanteil übernahm wieder einmal die Firma HUF-HAUS zusammen mit den Partnerunternehmen. Daneben haben auch die Ortsgemeinde und der Feuerwehr verbundene „Harbelser“ ihren Teil dazu beigetragen, dass keine unserer Wünsche offen blieben. Somit ist das leistungsstarke Allrad-Fahrzeug mit unzähligen Ausrüstungsgegenständen für alle Fälle gerüstet. Viele Redner und Gratulanten aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Feuerwehrdienst waren auf der Einweihungsfeier zugegen. Die Burg-Kapelle sorgte für die musikalische Umrahmung. Ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm und eine Vorführung „PKW Rettung“ lockten viele Hartenfelser Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Kameraden befreundeter Feuerwehren zum Gerätehaus.

Einen Monat später durfte mit Rebecca Freund die erste Frau im aktiven Dienst der Feuerwehr begrüßt werden.

Zum 1. August erfolgte die Indienststellung der „First Responder“ in Hartenfels. Unter Leitung unseres Wehrführers steht die insgesamt sieben Mann starke Truppe – sechs davon aus den Reihen der Feuerwehr – bereit, um bei einem Unfall oder medizinischen Notfall in der Ortsgemeinde schnellstmöglich und qualifiziert Hilfe zu leisten. Die umfangreiche Ausstattung beinhaltet einen Defibrillator, EKG, Puls-Oximeter, Sauerstoff-Einheit, Notfallkoffer und weitere Ausrüstung. In ersten Einsätzen konnte die Einsatzfähigkeit bereits unter Beweis gestellt werden. Die jeweiligen Helfer erlebten hier bereits verschiedenste Szenarien, konnten beim Eintreffen vor Ort – zum Teil lange Zeit vor der Ankunft des Rettungsdienstes – jedoch immer eine qualifizierte Erstversorgung gewährleisten. Das Feedback ist entsprechend positiv.


Heute

Mit dem neuen Fahrzeug und vielen neuen Gerätschaften mussten sich die Kameradinnen und Kameraden selbstverständlich zunächst vertraut machen. Daher stand die Aus- und Weiterbildung in der Folgezeit entsprechend im Fokus, so z.B. eine Fortbildung in der Verkehrsunfallhilfe. Bereits in den ersten Einsätzen konnte das HLF seine Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen.

Auf dem Werksgelände der Firma HUF-HAUS wurde eine mobile Hochdrucklöscheinrichtung installiert und in Betrieb genommen. Diese stammte aus dem außer Dienst gestellten Magirus Löschgruppenfahrzeug. Der Einsatz dieser Einrichtung wurde in entsprechenden Objektübungen trainiert.

Sehr positiv berichteten die Atemschutzgeräteträger von der Realbrandausbildung im Trainings- und Kompetenzzentrum Miehlen im Dezember 2013.

Im Juli 2015 nahm eine Abordnung der Hartenfelser Feuerwehrkameraden an den Landesmeisterschaften in Ruppach-Goldhausen teil. Die wochenlange Vorbereitung zahlte sich aus und das Bundesleistungsabzeichens in Bronze konnte mit hervorragenden Leistungen in allen Disziplinen mit nach Hause genommen werden. Gleichzeitig wurde der Wettkampf zum Erwerb der Feuerwehr-Leistungsspange Rheinland-Pfalz & Saarland genutzt.

Die 2012 gegründete First-Responder-Gruppe verzeichnete ab 2014 zunehmend mehr Einsätze, seit 2016 sind die Kameraden jährlich weit mehr als 20 mal gefordert, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Auffallend und besorgniserregend zugleich ist dabei die Feststellung, dass in weit mehr als der Hälfte der Einsätze der reguläre Rettungsdienst nicht in der vorgegebenen Zeitspanne am Einsatzort sein kann.

Auch 2016 nutzte man wieder die Gelegenheit möglichst realitätsnah üben zu können und absolvierte die Heißausbildung in Miehlen sowie ein Realbrandtraining in Selters. Auch der Umgang mit der 2011 angeschafften Wärmebildkamera wurde in diesem Zusammenhang intensiv geübt.

Im Mai 2017 fand vor dem Gerätehaus in Hartenfels ein praktischer Übungstag zum Thema „Technische Hilfe (TH) nach Verkehrsunfall (VU)“ statt. An mehreren Fahrzeugen wurde Umgang mit dem Rettungsgerät (Schere, Spreizer, Hebekissen, etc.) gründlich geprobt.

Anfang des Jahres 2019 wurde dann durch den Wehrführer ein Kühlanhänger angeschafft. Neben dem praktischen Nutzen wird der Anhänger auch als Werbeträger genutzt. Er erhielt eine Lackierung in Feuerwehrrot und eine Beklebung. Mit dieser reiht er sich optisch bei HLF und TSF ein und soll helfen, die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren ins Bewusstsein zu rufen und für Nachwuchs zu werben.


Und morgen...?

Es ist erfreulich festzustellen, dass der Geist der Gründer auch in der heutigen Generation weiterlebt. Er ist Garant für den ungebrochenen Willen, den Brand- und Katastrophenschutz auch in unserer Zeit auf freiwilliger Basis zu gewährleisten. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sind sich im klaren, dass in einer Zeit der zunehmenden Technisierung unseres Lebens, die an sie herantretenden Aufgaben weiter wachsen werden. Das wird weitere Ausbildungsanstrengungen erfordern um den Anforderungen in Zukunft gerecht zu werden.
Nahezu 100 Mitglieder aus der aktiven Wehr, der Altersabteilung, der Jugendfeuerwehr und den beiden Fördervereinen setzen sich für die Aufgaben der Feuerwehr in Hartenfels ein. Die Kameraden der Hartenfelser Feuerwehr versprechen uneigennützig Hilfe bei Feuer und Gefahr getreu dem Motto der Gründerväter:

„Gott zur Ehr`, dem Nächsten zur Wehr!“